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Vorwort
von Johannes Grützke und
Prof. Dr. Wolfgang Huber, Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg

"Gott ist in Wirklichkeit auch Künstler.
Er erfand die Giraffe, den Elefanten und die Karte.
Er hat keinen eigenen Stil.
Er probiert einfach ständig neue Dinge aus."
Pablo Picasso


Kunst ist eine sinnliche Kulturtechnik. Sie öffnet den Zugang zu allen Sinnen. Sie öffnet uns mit all unseren Sinnen einen Zugang zur Wirklichkeit. Sie tritt in Interaktion mit den Menschen. Kunst erfährt Resonanz in Zustimmung oder Ablehnung; nur wenige lässt sie gleichgültig.

In früheren Jahrhunderten war Kunst bisweilen elitär. Sie wurde im Auftrag der Herrschenden - auch einer Kirche, die sich zu ihnen gesellte - geschaffen. Kunst diente der Repräsentation. Kunst in den Kirchen schuf aber auch Bilder für das, was sich der Beschreibung durch das Wort entzog; sie erschloss für alle einen Zugang zum Heiligen.

Das Verhältnis von Kunst und Kirche hat sich geändert. Auch der Auftrag der Kunst hat sich geändert. Kunst schafft Interaktion, geht auf die Menschen zu, sucht sie in ihren Lebenswelten auf. Bei unserer gemeinsamen Initiative ist die Kunst Mittler zu den Projekten für Migranten und Flüchtlinge. Sie schafft die Brücke zu Menschen, die am Rande unserer Gesellschaft - manchmal auch im Verborgenen - leben. Sie trägt dazu bei, dass diese Menschen nicht nur Hilfe empfangen, sondern Eigenständigkeit, Selbstverantwortung und Selbstachtung wiedergewinnen können. In dieser Arbeit entsteht ein neues Verhältnis von Kirche und Kunst.

Bei den bisherigen fünf Auktionen wurde seit 1996 aus dem Verkauf der gespendeten Kunstwerke ein Erlös von insgesamt rund 240.000 DM erzielt. Die Arbeit und Kosten für die Vorbereitung und Organisation der Versteigerung werden weitgehend durch ehrenamtliches Engagement und durch Sponsoren getragen, so dass die Einnahmen aus dem Verkauf weitestgehend den Projekten direkt zugute kommen.

Ohne diese Mittel hätten die in den letzten Jahren geförderten Projekte trotz des hohen ehrenamtlichen Einsatzes aus Finanzmangel ihre bisher erfolgreiche Arbeit einstellen müssen. In anderen Fällen wurde mit den Mitteln aus der Auktion der Start neuer wichtiger Projekte überhaupt erst möglich gemacht. Denn viele Projekte scheitern daran, dass sie den finanziellen Eigenbeitrag, der eine Voraussetzung für die Gewährung öffentlicher Zuschüsse ist, nicht selbst aufbringen können.

Zu den geförderten Projekten zählten im vergangenen Jahr z.B. die Arbeit mit gewaltbereiten Kindern und Jugendlichen, Hilfen zur Überwindung der gesellschaftlichen Isolierung von arabischen Frauen und Kindern durch Deutsch- und Integrationskurse, Seminare mit Polizisten und Taxifahrern zum Abbau von Fremdenfeindlichkeit, Unterstützung der Weiterwanderung von Flüchtlingen aus Afrika, Rückkehrhilfen und Patenschaften für bosnische Flüchtlinge, Telefonseelsorge für russischsprachige Menschen, Hilfe für ausländische Studierende aus Entwicklungs- und Transformationsländern, Hilfen für Häftlinge in der Abschiebungshaft, Beratung und Betreuung für Flüchtlinge und Reisende am Flughafen Schönefeld.

Die in diesem Katalog präsentierten Kunstwerke werden in der Versteigerung am 14. Oktober veräußert. Darüber hinaus werden weitere gespendete Kunstwerke in einem Tischverkauf und in einer kleine "Galerie" am 13. Oktober angeboten. Eine Liste dieser Kunstwerke ist beim Ausländerbeauftragten der EKiBB unter Tel. 030/24344-531 oder Fax 030/24344-289 anzufordern.

Unser Ziel an den beiden Veranstaltungstagen am 13. und 14. Oktober 2001 ist nicht nur, einen guten Erlös für die unerlässlich wichtigen Projekte zu erzielen. Vielmehr ist die Kunstauktion inzwischen zu einem Kulturereignis in Berlin geworden, das mit seinen verschiedenen Veranstaltungselementen - z.B. "World Jazz Tango", Tischverkauf von Kunstwerken, Vorbesichtigung und Präsentation geförderter Projekte - eine einzigartige Begegnung von Menschen verschiedener Herkunft mit Musik, Kunst und der schönen Architektur der Kirche Zum Heiligen Kreuz ermöglicht.

Deshalb haben wir mit Freude die Schirmherrschaft für diese Kunstauktion übernommen. Wir danken besonders den Künstlerinnen und Künstlern sowie den Spenderinnen und Spendern, die uns mit ihrer Kreativität, ihrer Fachkompetenz, ihrer Arbeit und nicht zuletzt mit finanziellen Mitteln und Dienstleistungen unterstützt haben. Ein herzlicher Dank gilt aber auch den vielen ehrenamtlich Tätigen, der Jury, dem Moderator und der Kirchengemeinde Zum Heiligen Kreuz, die nun zum sechsten Mal eine großzügige Gastgeberin der Kunstauktion ist.

Alles andere liegt nun in Ihren Händen. Sie können die Werke der Künstlerinnen und Künstler erwerben. Damit machen Sie nicht nur sich selbst eine Freude, sondern Sie unterstützen gleichzeitig die Arbeit von Projekten für Migrant/innen und Flüchtlinge.






© Herden Veranstaltungs GmbH