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Brave Old World in concert Estrongo Nachama: "Es tönt von der Erde zum Himmel empor" Mira Zakai & Menachem Weisenberg: Epstein Brothers: Klezmer at it's best Peter Yarrow: Solo für Peter A Touch of Jinglish. Abschlußkonzert:
15. November 1997 | Sonnabend | 20 Uhr "Mag die Jüdische Welt auch vergangen sein, ihre Lieder sind geblieben und werden nie verstummen, so lange es Gruppen wie Brave Old World gibt, die sie spielen und singen" (Madison Monthley Reporter, Wisconsin). Bei diesem Konzert stellt "Brave Old World" ihre neue CD vor. Mehr erfahren Sie hier
"Ich will singen, solange Gott es will" sagt Estrongo Nachama und liefert den Beweis nicht nur bei diesem Konzert. "Wie kein zweiter vermag er mit seiner begnadeten Stimme Schmerz und Zuversicht, Verzweiflung und Hoffnung erschütternd Ausdruck zu geben" (Jola Merten, Morgenpost). Der Oberkantor der Jüdischen Gemeinde zu Berlin konnte am 1. Juli 1997 sein 50. Dienstjubiläum begehen. Mit traditionellen hebräischen Liedern im chassidischen Arrangement singt er sich in die Herzen der Zuhörer, nicht nur in seiner Synagoge. Freitag 18 Uhr - Synagoge Pestalozzistraße - Berlin Charlottenburg: Die Orgel spielt auf: Zwei Männer in schwarzen Talaren betreten die Kanzel. Der eine stellt sich mit dem Rücken zur Gemeinde vor das Vorlesepult, der andere setzt sich die Gemeinde ansehend in ein Synagogengestühl. Doch merkwürdigerweise zieht nicht der der Gemeinde zugewandte alle Aufmerksamkeit auf sich, sondern der rücklings stehende. Mit sonorem Bariton erfüllt er die 800 Plätze fassende Synagoge, und erfaßt die hinter ihm sitzenden Beter, ohne sich tatsächlich umzuwenden. Er füllt den Raum, nicht nur mit seiner Stimme, und er wendet seine Aufmerksamkeit den Betern und Gästen zu, ohne sich der Gemeinde zuzuwenden. Halbe Drehungen verschaffen ihm den Überblick, hier ein Zwinkern, dort ein Lächeln beim Singen. Da kriecht ein Kleinkind die 6 Stufen zur Kanzel herauf, unsicher schwankend. Die Gemeinde hält den Atem an: daß das Kind nur nicht Hals über Kopf die Treppe herabstürzt. Auf der Kanzel angekommen zupft es den Oberkantor am Talar; der öffnet die Schublade des Pultes und gibt - betend, singend, sich herabbeugend - dem Kind einen Lolly... Synagoge Pestalozzistraße: Sabbat-Feier. Nicht ernst gemeint? Sehr konzentriert gesungen, nein gebetet. Das ist Estrongo Nachamas Weg: "Es tönt von der Erde zum Himmel empor!" Nach dem Gottesdienst. Die Gemeinde strömt dem Ausgang zu. Estrongo, der Oberkantor badet in der Menge seiner Beterinnen und Beter. Vielleicht sind ja auch einige Anbeterinnen darunter. Der 79jährige gibt hier ein Küßchen und dort einen jovialen Schlag auf die Schulter. "Wie geht es der Mama?" - "Was macht ihre Tochter - ja die habe ich letztlich im Krankenhaus besucht". "Was höre ich denn? - Die Oma ist gestorben, ja klar mache ich die Beerdigung...". Pastorale Basisarbeit. Teil des Gottesdienstes, der ein Konzert war und doch musikalische Zwiesprache mit Gott. Am nächsten morgen setzt sich der Sabbat-Gottesdienst fort. Statt der 300 bis 400 Beterinnen und Beter, kommen vielleicht 120. Estrongo, der Oberkantor, singt mit gleicher Intensität und liest aus der hebräischen Bibel in jenem unverkennbaren Singsang, der an Gregorianik erinnert und doch ein ganz eigenes System der Notation ist. Auf die Frage, warum er sich denn nun nicht schone, wo nur so wenige den Weg in die Synagoge gefunden haben, antwortet er: "Für zehn jüdische Männer", das Gebetsquorum für einen öffentlichen Gottesdienst, "habe ich die gleiche Verantwortung wie für 100 oder 1000."
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16. November 1997 | Sonntag | 20 Uhr Mit Menachem Weisenberg machte sie eine Aufnahme mit Liedern von Ravel, Hemsi und aus dem israelischen Liedgut. Im ersten Teil des Konzertes singt sie Lieder von Norbert Glanzberg. Die Liedtexte wurden während des Holocaust von Juden und Nicht-Juden in deutscher Sprache geschrieben. Den zweiten Teil widmet sie den israelischen Songs, die seit der Staatsgründung zur Identitätsfindung von Israelis und Freunden Israels weltweit mindestens soviel beigetragen haben, wie das Revival der hebräischen Sprache. Menachem Weisenberg ist einer von Israels versiertesten Musikern. Dem jiddischen und israelischen Volkslied wendet sich Weisenberg mit besonderen Arrangements zu. Als Pianist ist er international aufgetreten und hat im Konzertsaal in seinen eigenen Werken vor allen Dingen israelische Sänger begleitet. Norbert Glanzberg wurde als Filmmusiker bekannt und schrieb viele Lieder u. a. für Edith Piaf, Yves Montand und Ute Lemper.1930 begann er für die Ufa in Berlin zu arbeiten. Als Komponist für Filmmusik arbeitete er mit Max Ophüls, Billy Wilder und Erich Kästner zusammen. Im Jahre 1933 emigrierte er nach Paris, wo er seitdem lebt.
Die Epstein Brüder - das sind Drummer Julie (71), Trompeter Willi (78) und Klarinettist Max (85) - haben fast ein Jahrhundert lang die jüdische Musikszene ihrer amerikanischen Heimat entscheidend mitgeprägt. Sie spielten in jüdischen Restaurants, auf Hochzeiten und Bar Mitzvas. Bei den chassidischen Gemeinden fanden die Epsteins nach dem zweiten Weltkrieg ein neues Betätigungsfeld, nachdem die jungen Juden diese vertrauten Klänge ihrer Elterngeneration nicht mehr hören wollten. Mit Beginn des Klezmerrevivals in den siebziger Jahren begann auch für die Epsteins ein steiler Aufstieg. Das Publikum, das die Gruppe begeistert gefeiert hat, war jung und überwiegend nicht-jüdisch. "Wir haben diese Musik unser Leben lang gespielt, so daß wir gar nicht verstehen konnten, was andere Leute daran finden", so beschreibt Willi die eigene Überraschung. Die Brüder treten nach 1992 und 1996 zum dritten Mal bei den Kulturtagen in Berlin auf.
22. November 1997 | Sonnabend | 22:30 Uhr Obwohl Peter Yarrow weiß, daß es "No Easy Walk to Freedom" gibt, ist er nicht bereit, seinen angefangenen Weg aufzugeben: "Wir haben in einer Zeit gelebt, in der man glaubte, seine Zukunft schmieden zu können, um eine bessere Welt zu machen. Vielleicht haben wir unsere Träume nicht in der uns damals realistisch erscheinenden Zeitspanne erreicht, aber die Größe dessen, was noch erreicht sein will, zeigt uns nur die Wichtigkeit unserer Aufgabe. Dieses zu wissen, läßt uns nicht aufhören."
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