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Haus der Kulturen der Welt
John-Foster-Dulles-Allee 10, Berlin-Tiergarten, Bus 100
Eintrittspreise: Vorverkauf 30,- DM / Abendkasse 35,- DM
für die Epstein Brothers und das Abschlußkonzert 40,- / 45 DM

Brave Old World in concert
15. November 1997 | Sonnabend | 20 Uhr

Estrongo Nachama: "Es tönt von der Erde zum Himmel empor"
16. November 1997 | Sonntag | 16 Uhr

Mira Zakai & Menachem Weisenberg:
Songs of Memory-von Glanzberg bis Naomi Shemer
16. November 1997 | Sonntag | 20 Uhr

Epstein Brothers: Klezmer at it's best
22. November 1997 | Sonnabend | 19:30 Uhr

Peter Yarrow: Solo für Peter
22. November 1997 | Sonnabend | 22:30 Uhr

A Touch of Jinglish. Abschlußkonzert:
23. November 1997 | Sonntag | 20 Uhr

 

15. November 1997 | Sonnabend | 20 Uhr
Brave Old World in concert
Im Rahmen ihrer Europatournee treten Brave Old World auch in Berlin auf, der Stadt, in der sie zum festen Bestandteil der Musikszene gehören. Sie sind langjährige Freunde der Kulturtage. Ihre Konzerte beinhalten immer neue Elemente, die sie so mit dem Bekannten verbinden, daß Traditionelles und Progressives sich mischt. Eine perfekte Musik für die Konzertbühne, tief in der osteuropäischen jüdischen Tradition verwurzelt. Intelligent und spannend wie klassische Musik, die die konventionellen Grenzen überschreitet und den Zuhörer durch höchste Musikalität und intensivstes Zusammenspiel der Musiker direkt anspricht.

"Mag die Jüdische Welt auch vergangen sein, ihre Lieder sind geblieben und werden nie verstummen, so lange es Gruppen wie Brave Old World gibt, die sie spielen und singen" (Madison Monthley Reporter, Wisconsin).

Bei diesem Konzert stellt "Brave Old World" ihre neue CD vor. Mehr erfahren Sie hier


16. November 1997 | Sonntag | 16 Uhr
Estrongo Nachama: "Es tönt von der Erde zum Himmel empor"
Synagogale Gebetsgesänge mit Estrongo Nachama
Musikalische Begleitung: Gloria Seipelt und dem Shalom Chor, Leitung: Elisabeth Liebig

"Ich will singen, solange Gott es will" sagt Estrongo Nachama und liefert den Beweis nicht nur bei diesem Konzert. "Wie kein zweiter vermag er mit seiner begnadeten Stimme Schmerz und Zuversicht, Verzweiflung und Hoffnung erschütternd Ausdruck zu geben" (Jola Merten, Morgenpost). Der Oberkantor der Jüdischen Gemeinde zu Berlin konnte am 1. Juli 1997 sein 50. Dienstjubiläum begehen. Mit traditionellen hebräischen Liedern im chassidischen Arrangement singt er sich in die Herzen der Zuhörer, nicht nur in seiner Synagoge.

Freitag 18 Uhr - Synagoge Pestalozzistraße - Berlin Charlottenburg: Die Orgel spielt auf: Zwei Männer in schwarzen Talaren betreten die Kanzel. Der eine stellt sich mit dem Rücken zur Gemeinde vor das Vorlesepult, der andere setzt sich die Gemeinde ansehend in ein Synagogengestühl. Doch merkwürdigerweise zieht nicht der der Gemeinde zugewandte alle Aufmerksamkeit auf sich, sondern der rücklings stehende. Mit sonorem Bariton erfüllt er die 800 Plätze fassende Synagoge, und erfaßt die hinter ihm sitzenden Beter, ohne sich tatsächlich umzuwenden. Er füllt den Raum, nicht nur mit seiner Stimme, und er wendet seine Aufmerksamkeit den Betern und Gästen zu, ohne sich der Gemeinde zuzuwenden. Halbe Drehungen verschaffen ihm den Überblick, hier ein Zwinkern, dort ein Lächeln beim Singen.

Da kriecht ein Kleinkind die 6 Stufen zur Kanzel herauf, unsicher schwankend. Die Gemeinde hält den Atem an: daß das Kind nur nicht Hals über Kopf die Treppe herabstürzt. Auf der Kanzel angekommen zupft es den Oberkantor am Talar; der öffnet die Schublade des Pultes und gibt - betend, singend, sich herabbeugend - dem Kind einen Lolly... Synagoge Pestalozzistraße: Sabbat-Feier. Nicht ernst gemeint? Sehr konzentriert gesungen, nein gebetet. Das ist Estrongo Nachamas Weg: "Es tönt von der Erde zum Himmel empor!"

Nach dem Gottesdienst. Die Gemeinde strömt dem Ausgang zu. Estrongo, der Oberkantor badet in der Menge seiner Beterinnen und Beter. Vielleicht sind ja auch einige Anbeterinnen darunter. Der 79jährige gibt hier ein Küßchen und dort einen jovialen Schlag auf die Schulter. "Wie geht es der Mama?" - "Was macht ihre Tochter - ja die habe ich letztlich im Krankenhaus besucht". "Was höre ich denn? - Die Oma ist gestorben, ja klar mache ich die Beerdigung...".

Pastorale Basisarbeit. Teil des Gottesdienstes, der ein Konzert war und doch musikalische Zwiesprache mit Gott. Am nächsten morgen setzt sich der Sabbat-Gottesdienst fort. Statt der 300 bis 400 Beterinnen und Beter, kommen vielleicht 120. Estrongo, der Oberkantor, singt mit gleicher Intensität und liest aus der hebräischen Bibel in jenem unverkennbaren Singsang, der an Gregorianik erinnert und doch ein ganz eigenes System der Notation ist. Auf die Frage, warum er sich denn nun nicht schone, wo nur so wenige den Weg in die Synagoge gefunden haben, antwortet er: "Für zehn jüdische Männer", das Gebetsquorum für einen öffentlichen Gottesdienst, "habe ich die gleiche Verantwortung wie für 100 oder 1000."

 


16. November 1997 | Sonntag | 20 Uhr
Mira Zakai - Alt & Menachem Weisenberg - Piano
Songs of Memory - von Glanzberg bis Naomi Shemer
Mira Zakai wurde in Jerusalem geboren und durch ihre Auftritte mit den israelischen Philharmonikern, dem Jerusalemer Symphonie-Orchester, der New Israeli Opera sowie mit ihren Liederabenden in ganz Israel bekannt. Für Ihren Beitrag zur israelischen Musik erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen.

Mit Menachem Weisenberg machte sie eine Aufnahme mit Liedern von Ravel, Hemsi und aus dem israelischen Liedgut. Im ersten Teil des Konzertes singt sie Lieder von Norbert Glanzberg. Die Liedtexte wurden während des Holocaust von Juden und Nicht-Juden in deutscher Sprache geschrieben.

Den zweiten Teil widmet sie den israelischen Songs, die seit der Staatsgründung zur Identitätsfindung von Israelis und Freunden Israels weltweit mindestens soviel beigetragen haben, wie das Revival der hebräischen Sprache.

Menachem Weisenberg ist einer von Israels versiertesten Musikern. Dem jiddischen und israelischen Volkslied wendet sich Weisenberg mit besonderen Arrangements zu. Als Pianist ist er international aufgetreten und hat im Konzertsaal in seinen eigenen Werken vor allen Dingen israelische Sänger begleitet.

Norbert Glanzberg wurde als Filmmusiker bekannt und schrieb viele Lieder u. a. für Edith Piaf, Yves Montand und Ute Lemper.1930 begann er für die Ufa in Berlin zu arbeiten. Als Komponist für Filmmusik arbeitete er mit Max Ophüls, Billy Wilder und Erich Kästner zusammen. Im Jahre 1933 emigrierte er nach Paris, wo er seitdem lebt.


22. November 1997 | Sonnabend | 19:30 Uhr
Epstein Brothers: Klezmer at it's best

Die Epstein Brüder - das sind Drummer Julie (71), Trompeter Willi (78) und Klarinettist Max (85) - haben fast ein Jahrhundert lang die jüdische Musikszene ihrer amerikanischen Heimat entscheidend mitgeprägt. Sie spielten in jüdischen Restaurants, auf Hochzeiten und Bar Mitzvas. Bei den chassidischen Gemeinden fanden die Epsteins nach dem zweiten Weltkrieg ein neues Betätigungsfeld, nachdem die jungen Juden diese vertrauten Klänge ihrer Elterngeneration nicht mehr hören wollten. Mit Beginn des Klezmerrevivals in den siebziger Jahren begann auch für die Epsteins ein steiler Aufstieg. Das Publikum, das die Gruppe begeistert gefeiert hat, war jung und überwiegend nicht-jüdisch. "Wir haben diese Musik unser Leben lang gespielt, so daß wir gar nicht verstehen konnten, was andere Leute daran finden", so beschreibt Willi die eigene Überraschung. Die Brüder treten nach 1992 und 1996 zum dritten Mal bei den Kulturtagen in Berlin auf.

 

22. November 1997 | Sonnabend | 22:30 Uhr
Peter Yarrow: Solo für Peter
Der Peter von den legendären Peter, Paul and Mary. Als Solist tritt er zum ersten Mal in Berlin auf und knüpft an die Tradition seiner 30-jährigen Karriere an. Er steht in der amerikanischen Songwriter-Tradition von Bob Dylon und Simon and Garfunkel und ist als Entertainer mindestens genauso gefragt, wie als Mitglied des legendären Trios. Mit Yarrow’s musikalischer Kreativität kam auch sein Einsatz für soziale Veränderungen. Er produzierte und koordinierte Veranstaltungen für die Anti-Vietnam-Bewegung, einschließlich Festivals für Frieden im Madison Square Garden und dem Shea Stadion. Das Lied "Light One Candle" wurde zur Hymne an das jüdische (ethische) Vermächtnis, eine Hingabe des Judaismus an eine bessere Welt.

Obwohl Peter Yarrow weiß, daß es "No Easy Walk to Freedom" gibt, ist er nicht bereit, seinen angefangenen Weg aufzugeben: "Wir haben in einer Zeit gelebt, in der man glaubte, seine Zukunft schmieden zu können, um eine bessere Welt zu machen. Vielleicht haben wir unsere Träume nicht in der uns damals realistisch erscheinenden Zeitspanne erreicht, aber die Größe dessen, was noch erreicht sein will, zeigt uns nur die Wichtigkeit unserer Aufgabe. Dieses zu wissen, läßt uns nicht aufhören."


23. November 1997 | Sonntag | 20 Uhr
A Touch of Jinglish. Abschlußkonzert:
Das schon traditionelle Abschlußkonzert der Jüdischen Kulturtage versammelt jüdische Musikschaffende aus Berlin und New York auf der Bühne im Haus der Kulturen der Welt. Was verbindet so unterschiedliche Interpreten wie Brave Old World, Estrongo Nachama, Mira Zakai & Menachem Weisenberg, die Epstein Brothers und Peter Yarrow? Die Jüdischkeit, a touch of jinglish!

Epstein Brothers
Die Klezmer-Band schlechthin. Vorbild für all jene legendären Formationen, die seit mehr als einem Jahrzehnt das Revival des Klezmer in den USA und Europa bewirkten, sind die Epstein Brothers. Nach ihrem Solokonzert am 22. November dürfen Sie auch beim Abschlußkonzert nicht fehlen.

Estrongo Nachama
Losgelöst von der Ordnung des Gottesdienstes elektrisiert der Oberkantor der Jüdischen Gemeinde zu Berlin sein Publikum. Lassen Sie sich verführen.

Hasidic New Wave
Der Bandleader der Klezmatics, Frank London, steht auch bei dieser Formation an der Spitze. Man denkt an New Wave, auch an Jazz, Folk und Weltmusik, aber die richtige Schublade läßt sich einfach nicht finden. Die Band spielt zum ersten Mal in Berlin.

Piamenta
Yossi Piamenta und sein Bruder Albert gehören zu den Lubavitscher Chassidim, einer orthodox-jüdischen Frömmigkeitsbewegung, die sich jüdisch-traditionell kleidet und strikt koscher lebt. Albert Piamenta glaubt, daß Musik mehr Überzeugungskraft als eine Million Rabbiner habe. Hört man seine Musik, glaubt man ihm.

Adrian Cooper
Adrian Cooper ist Mitglied der Klezmerband "Kapelye". Hier jedoch tritt sie als Solistin auf, um ihre Interpretationen der jiddischen Songs vorzutragen.

Zalmen Mlotek, Piano
Zalmen Mlotek ist eine der größten Autoritäten traditioneller osteuropäisch-jüdischer Musik. Er ist musikalischer Leiter wichtiger Broadway- und off-Broadway-Produktionen mit jüdischer Musik.

Eleanor Reissa
Sie begeisterte das Publikum der Jüdischen Kulturtage im vergangenen Jahr mit ihrem Programm "Ein Abend im Jiddischen Theater". Neben ihrem großen Engagement für das jiddische Theater führte sie Regie beim Broadway Revival von "My Fair Lady" mit Richard Chamberlain in der Hauptrolle. Heute führt sie als "Mistress of ceremonies" durch das Programm.

 

Kartenreservierung, Fragen, Kommentare jkt@herden.de

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