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Die Idee zu diesen Deutschlandbildern Eröffnung der 11. Jüdischen Kulturtage10. November 1997 | Montag | 18 Uhr (geschlossene Veranstaltung) Robin Hirsch Leo Glueckselig Andrew Baker Zalmen Mlotek Karen Franklin Marcia Prager
Zur Vortragsreihe: Wann immer ein Berliner Jude nach Amerika fährt, wird er gefragt: "Wie kannst Du nur". Sie fragen dies oder jenes und immer halten sie uns ihr Deutschlandbild entgegen. Daneben gibt es immer mehr Menschen, die vor Ort ihr Deutschlandbild überprüft haben. Diese beiden Einstellungen sind Ausgangspunkt der Reihe "Germany - seen with my jewish eyes", die als Ergänzung zu den Deutschlandbildern der diesjährigen Berliner Festspiele konzipiert wurden. In einer strengen Rede von 30 Minuten stellt jeder der Eingeladenen sein Deutschlandbild vor, das in einem kurzen Dialog mit dem Publikum hinterfragt werden kann. Die Vorträge werden in englischer Sprache gehalten. Moderiert werden die Gespräche von Andreas Nachama.
Eröffnung der 11. Jüdischen Kulturtage Die diesjährigen Jüdischen Kulturtage werden zusammen mit der Ausstellung über Blumenfeld "Dada und Fotografie" eröffnet. Erwin Blumenfeld, einer der bedeutendsten Fotografen und Grafiker begann seine berufliche Laufbahn bei den Konfektionären Schlochauer am Hausvogteiplatz, der Berliner Konfektion, die er in seinen Lebenserinnerungen so verachtend schildert. Aus dieser Biographie liest Udo Samel. Er ist seiner Heimatstadt und den Jüdischen Kulturtagen eng verbunden. Musikalische Umrahmung: Eleanor Reissa
zu unseren Gästen: Robin Hirsch Robin Hirsch, Autor, Kaffehausbesitzer und Kleinkunstbühnenintendant schrieb in seinem autobiografischen Roman "The Last Dance at the Hotel Kempinski - Creating a Life in the Shadow of History " die Geschichte eines deutsch-jüdischen Schicksals im 20. Jahrhundert. Sein aktuelles Deutschlandbild wird er in seinen Lektionen vermitteln.
Leo Glueckselig New York. Upper East Side. Jeden Mittwoch trifft sich hier eine Gruppe älterer Menschen zum Stammtisch - seit über 50 Jahren. Sie sprechen miteinander Deutsch mit amerikanischen Einsprengseln. Es sind Deutsche und Österreicher - Flüchtlinge und überlebende Juden aus dem 3. Reich. Leo Glueckselig hat Glück gehabt. Ihn und seinen Vater hat die Gestapo in Wien "nur" gefoltert. Die Glueckseligs blieben am Leben, flohen in die USA. Leo Glueckselig ist nicht verbittert. Er hat seinen Haß auf die Deutschen überwunden, denn sonst hätte "der Hitler wirklich gesiegt". Heute berichtet er zum wiederholten Mal über seine und andere Geschichten. "Fragt uns aus, wir sind die letzten" pflegte sein Freund, der Dichter Hans Sahl, zu sagen. So will es auch Leo Glueckselig halten. Den Kampf mit Hitler hat er gewonnen.
Andrew Baker Rabbi Andrew Baker ist einer jener Protagonisten jüdischen Lebens in Amerika, die auf der Suche nach Jüdischkeit in Europa insbesondere Osteuropa und Deutschland für die größte jüdische Laienorganisation entdeckt haben. Die American Jewish Community, deren Europadirektor er ist, versucht einen Dialog zwischen dem amerikanischen Judentum und den kleinen jüdischen Gemeinden in Europa, aber auch den Regierungen, Parteien und Organisationen der alten Welt herzustellen. Rastlos vermittelt er nach Amerika, wo die Mehrheit jüdischer Menschen meint, jüdisches Leben in Europa bestünde nur aus einigen wenigen "letzten" Juden. Er versucht, aus der größten Diaspora-Gemeinde der Welt, aus Amerika, einen "touch of jewishness" nach Europa zu bringen. Sein Deutschlandbild ist geprägt von Holocaust-Überlebenden in Osteuropa, die ohne Entschädigung gebliebenen sind, von deutschen Politikern, die die Lektion von Auschwitz nicht begriffen zu haben scheinen, von jüdischen Gemeinden in Europa, die nach dem Untergang wieder entstanden sind. Seine Synagoge ist ganz weltlich. Sie ist das politische Forum der American Jewish Community, die im Frühjahr 1998 am Leipziger Platz in Berlin auf dem versengten Boden der ehemaligen Reichshauptstadt ihr Europabüro eröffnen wird.
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Zalmen Mlotek Zalmen Mlotek ist mit den 88 Tasten eines Klaviers, das jüdische Musik ertönen läßt, geboren. Seine Welt sind die Klänge jener Musik, die in Ghettos, am Broadway oder in den Ballrooms der Jüdischen Hochzeiten, Channukkafeiern und Bar Mitzwot Menschen tanzen läßt, die die hebräische Bibel im Laufe eines Jahres durchschreiten. Alles was in dieser Tradition steht und sich in Noten fassen läßt oder in Tönen daherkommt, umrahmt und umfaßt er mit den schwarzen und weißen Tasten. Er ist ein Seismograph der jüdischen Musik. Keine Bühne ist zu groß für seine Arrangements - kein Stübchen zu klein für seine Workshops. Seine Musik hat ihn oft nach Europa geführt. Er ist Freund und Begleiter aller, die Rang und Namen in der jiddischen Musik haben. Was er über Deutschland, das er oft bereist hat, denkt, wird er in Worte fassen, die ausnahmsweise ohne die 88 Tasten eines Klaviers auskommen müssen.
Karen Franklin Karen Franklin ist Direktorin des Judaica Museum in Riverdale. Diese Sammlung befindet sich in einem Altersheim für jüdische Menschen, das die Größe einer Kleinstadt hat. Sie ist verheiratet mit dem Reformrabbiner eines "Tempels" und stammt aus einer Familie, die aus Deutschland emigriert ist. Als Erforscherin ihrer deutschen Herkunft hat sie sich einen Namen gemacht. Diese deutsche Herkunft ist natürlich eine jüdische. Heute würde man sagen: eine deutsch-jüdische. Karen Franklin ist Mitarbeiterin des Leo-Baeck-Institutes in New York, des wahrscheinlich größten und sicherlich bedeutendsten Archivs jüdischer Existenz in Deutschland. Ihr Deutschlandbild ist geprägt von jener Liebe, mit der nicht-jüdische Deutsche in den letzten Jahrzehnten die untergegangenen Welten des deutschen Judentums rekonstruiert haben. Sie möchte ihr deutsch-jüdisches Erbe eine Generation weitergeben, ohne deswegen ihre Kinder, die Basketball spielen und vor dem Apple-Computer sitzen, zu "Jekkes", zu deutschen Juden machen zu wollen. Karen Franklin reist oft nach Deutschland, um sich ihrer amerikanischen jüdischen Identität deutscher Herkunft zu vergewissern.
Marcia Prager Marcia Prager ist Rabbinerin in einer jüdischen Tradition, die auf Spiritualität und Empfindung baut. Sie ist Leiterin eines Rabbiner-Seminars, das völlig unorthodox versucht, traditionelle Formen jüdischen Erlebens einer Generation zu vermitteln, die von Rationalität, Computern und Technik für Spiritualität blind zu sein scheint. Sommercamps mit Künstlern, Wissenschaftlern, Literaten, Rabbinern und Laien sind das Zentrum einer Bewegung, die auf neue Formen jüdischen Erlebens setzt. Es gibt nichts zwischen Himmel und Erde, was Marcia Prager nicht in ihre Suche nach einem positiven jüdischen Leben integrieren würde.
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