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Jüdische Kulturtage andernorts
Hör-Theater "Jerusalem am Hudson" ...zurück zu meinem Käse und mein Nichts! "Amerika...!" Klaviermusik jüdischer Komponisten Interrogation. Choreographie: Liat Dror & Nir Ben Gal "Es grüßt Sie Ihr dankbarer Zögling" "Berlin - Moskau - Kolyma und zurück" "Der Wiederaufbau jüdischen Lebens nach 1945" "Das Flehen unserer Lippen"
zu den einzelnen Veranstaltungen Hör-Theater "Jerusalem am Hudson" 16. November 1997 | Sonntag | 16 Uhr im Hackeschen Hoftheater, in den Hackeschen Höfen Die Erfindung des Radios hat eine eigene Hör-Kultur, eigene Kunstformen hervorgebracht, die heute fast vergessen scheinen. Die Allgegenwart der visuellen Medien ist ein wesentlicher Grund für dieses Vergessen aber vielleicht auch der Grund für die Gegenbewegung: die Renaissance des Hörspiels. Selbst wenn diese Entwicklung nicht die gleiche Bedeutung erlangen wird wie andere virtuelle Medienwelten, die guten alten "radio days" sind nicht für immer verloren. Mit einem "Hör-Theater" wollen die jüdischen Kulturtage dieses Jahr Ohren öffnen und die Phantasie anregen. An zwei Nachmittagen werden im Hackeschen Hoftheater Radio-Features einer 5-teiligen Reihe des Hörfunkjournalisten Anselm Weidner zu erleben sein. Es erwartet Sie ein akustischer Spaziergang durch Queens, wo etwa 25.000 bucharische Juden Zuflucht fanden, über Williamsburg und Flatbush, wo orthodoxe Juden wie im Shtetl vor 200 Jahren leben, durch Litte Odessa, einen Teil Brooklyns, in dem sich der Duft von Piroggen und gefilltem Fisch mit einer frischer Brise des Atlantiks vermischt. Assimilation und Ängste, der jüdische Einfluß in politischen Fragen, Woody Allen und Ed Koch, jüdische Identität.... Fragen, die der Autor in einer Mélange aus Interviews, Klängen, Atmosphären und Erlebnisberichten hörbar macht. Erleben Sie die Vielfalt jüdischen Lebens in New York mal ganz anders!
...zurück zu meinem Käse und mein Nichts! Karten für 20,- DM gibt es im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, Mo-Fr. 12-18 Uhr und an den Theaterkassen Ihre erste überlieferte Komposition schrieb sie 14-jährig zum Geburtstag des Vaters. Zur eigenen Hochzeit komponierte sie sich, als das versprochene Stück des Bruders ausblieb, kurzerhand selbst ein Präludium für die Orgel. Es folgten zahlreich Lieder, Übungsstücke, Charakterstücke und Sonaten. Dennoch ist Fanny Hensel vielen, wenn überhaupt, nur als Schwester von Felix Mendelssohn-Bartholdy bekannt. Fanny Hensels Tagebücher und ihre umfangreiche Korrespondenz bilden den Material-Fundus, aus dem die Autorin Renate Hellwig-Unruh geschöpft hat. Dabei durchbricht sie die Mauern aus Tradition und jüdischer Familiengeschichte, die um die Gestalt Fanny Hensel errichtet wurden und gibt einen unverstellten Blick auf die Komponistin frei. Die Regisseurin Antje Siebers hat hierzu eine Atmosphäre geschaffen, die keinen Biedermeier-Staub aufkommen läßt und Brüche sichtbar macht. Dies geschieht nicht nur mit dem nötigen Ernst, sondern auch mit Witz, Ironie und vor allem mit Musik. Natürlich von Fanny Hensel.
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Buch Klavier |
Renate Hellwig-Unruh Elzbieta Sternlicht | |
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"Amerika...!" Klaviermusik jüdischer Komponisten 16. November 1997 | Sonntag | 16 Uhr 17. November 1997 | Montag | 19:30 Uhr Alain Brun-Cosme, geb. 1967 in Nordfrankreich, lebt seit 10 Jahren in Berlin. Im Laufe seines künstlerischen Werdegangs bekam er Anregungen durch W. Olbertz, A. Marks und vor allem durch A. Tizits. Das aktuelle Programm entstand folgendermaßen: Auf der Suche nach geeigneter Musik anläßlich einer musikalischen Lesung fand Alain Brun-Cosme eine Sonate von Ernest Bloch. Die Musik begeisterte ihn und er nahm sich vor, irgendwann damit ein Solokonzert zu spielen. Dazu suchte er passende Stücke und fand "den siebenarmigen Leuchter" von Darius Milhaud, dem stolzen Juden aus der Provinz. Bei der Erarbeitung dieses Stückes gewann er Kenntnisse über die jüdische Spirtitualität und über das Judentum insgesamt - eine ihm völlig fremde Welt.
Interrogation 13. November 1997 | Donnerstag | 20 Uhr Nach der Ermordung des israelischen Ministerpräsidenten Rabin und der Wahl Netanjahus zu dessen Nachfolger haben Liat Dror & Nir Ben Gal mit ihrer Company in nur wenigen Monaten ein spannendes, politisch motiviertes Bewegungstheater erarbeitet, das sich mit der Frage beschäftigt: "Wer ist Täter, wer ist Opfer". Für Liat Dror & Nir Ben Gal besteht eigentlich kein großer Unterschied zwischen Täter und Opfer, wenn überhaupt liegt er in der verschiedenartigen Biographie eines jeden Menschen. Er kann sich jeder auf dieser oder jener Seite wiederfinden. Das drückt sich auch in der Choreographie von Interrogation aus. Immer wieder beobachtet man, wie zwei Tänzer nach Verhörszenen auseinandergehen und sich auf gleiche Weise bewegen wie zuvor, ganz so, als seien die Gesten völlig vom anderen und der Situation losgelöst. Liat Dror & Nir Ben Gal fragen: "Wie sehr ist das, was ich als Bedrohung empfinde, real, inwieweit ist es meine eigene Interpretation der Wirklichkeit?" Interrogation wurde im Dezember 1996 im Rahmen des Festivals "International Exposure of Israeli Dance" in Tel Aviv vorgestellt.
"Es grüßt Sie Ihr dankbarer Zögling" 14. November 1997 bis Ende Januar 1998 "Sehr geehrter Herr Direktor" so beginnen die Feldpostbriefe und enden meist mit "Ihr dankbarer Zögling". Während des Ersten Weltkrieges erhielt der Direktor des Reichenheimschen Waisenhauses, einer Einrichtung der Berliner Jüdischen Gemeinde, Sigmund Feist 745 dieser Briefe, geschrieben von seinen ehemaligen Zöglingen, die als Soldaten dem Dienst fürs Vaterland verpflichtet waren. Wie eine Chronik der Ereignisse beschreiben diese Briefe, wie die anfängliche Kriegsbegeisterung der jüdischen Soldaten sehr bald im alltäglichen Elend des Stellungskrieges erstickt wurde. Während sie als deutsche Juden ihr Leben riskierten, zweifelten völkische Kreise an ihrer Einsatzbereitschaft, bis es dann im Jahre 1916 zur berühmt berüchtigten "Judenzählung" kam. Etwa 12.000 deutsche Juden sind im ersten Weltkrieg gefallen, darunter waren auch fünf Soldaten aus der Gruppe der Briefeschreiber. Jüdische Institutionen - allen voran der Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten - machten es sich zur Aufgabe, die antisemitischen Anfeindungen zu entkräften und über den Einsatz der Juden im Krieg zu informieren.
"Berlin - Moskau - Kolyma und zurück" Sich in der Sowjetunion in Sicherheit vor der nationalsozialistischen Verfolgung wähnend, wurden Nathan Steinberger und seine Frau Edith Opfer der stalinistischen antisemitischen "Säuberungen". Der Verhaftung 1937 folgte eine mehr als zehnjährige Gulag-Haft und anschließende Verbannung in Sibirien. Erst 1955 konnte das Ehepaar Steinberger nach Berlin, in die DDR, zurückkehren, wo sie formal rehabilitiert wurden, aber über ihre Erlebnisse nicht reden durften. In seinem Buch "Berlin - Moskau - Kolyma und zurück" erinnert sich Prof. Steinberger an seine Jugend in Berlin, an die Jahre in der Sowjetunion und sein Leben in der DDR. Es liest Hanns Zischler, Prof. Steinberger steht zu einem Gespräch zur Verfügung. "Der Wiederaufbau jüdischen Lebens nach 1945" Mühsam wird heute wieder um Pluralismus im jüdischen Leben gerungen und auf die jüdische Vielfalt in Berlin vor 1933 und im heutigen New York geblickt. Kaum bekannt ist hingegen, daß kurzzeitig bereits in den ersten Nachkriegsmonaten 1945 vier jüdische Gemeinden in Berlin bestanden. Der Wiederaufbau des Gemeindelebens im Angesicht der Folgen von Holocaust und Krieg und der politischen Schwierigkeiten der in vier Besatzungszonen geteilten Stadt, das Selbstverständnis der Gemeindegründer, die Gemeindespaltung in einen Ost- und Westteil 1953 sind Gegenstand dieses Vortrags. Er gewährt interessanten Einblick in die bis heute vernachlässigte jüdische Nachkriegsgeschichte Berlins. "Das Flehen unserer Lippen" Der 1972 gegründete Jerusalemer Kantorenchor widmet sich der Pflege von Synagogalmusik und jüdischen Volksliedern. Die 25 Mitglieder des Chores sind Kantoren, die in Synagogen Jerusalems und auch in anderen Gemeinden Israels und Europas wirken. Durch zahlreiche Konzerte in den USA und Europa hat sich der Chor auch international einen Namen gemacht. Nach einem mit Begeisterung aufgenommenen Auftritt im Januar wird der Jerusalemer Kantorenchor nun ein weiteres Mal in Berlin gastieren. Zu Gehör gelangen klassische und moderne Vertonungen von Gebeten, Psalmen und weiteren Bestandteilen der Liturgie am Schabbat und an Feiertagen. Kartenreservierung, Fragen, Kommentare jkt@herden.de |
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