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Ausstellungen

Intermezzo Berlin
Wiener in Berlin 1890 - 1933
Kunstbibliothek im Kulturforum
11. 11. 1998 - 10. 1. 1999
Eröffnung am 10.11.1998, 18 Uhr, Presseführung um 11 Uhr
Öffnungszeiten: Di-Fr 10-18 Uhr, Sa-So 11-18 Uhr, Eintritt frei

Architektur in Palästina
Arbeiten deutschsprachiger jüdischer Architekten 1918 - 1948
Deutsches Architekturzentrum
17. 11. 98 - 16. 1. 99, Montag bis Sonnabend 10-18 Uhr, Eintritt frei

Wiener Einstellungen - Jüdisches Wien
Eine topographische Annäherung
Jüdisches Gemeindehaus, Foyer
Fasanenstr. 79-80, Berlin, Charlottenburg
11. 11. 1998 - 11. 12. 1998, Eintritt frei

DAVKA
Jüdisches Leben in Berlin – Traditionen und Visionen
Ahava, Auguststr. 14/16
11. 11. – 16. 12. 1998, Mo-Do 10-18 Uhr, Fr. 10-15 Uhr
Öffnungszeiten: Sonntag bis Mittwoch 12 bis 18 Uhr, Donnerstag 12 bis 20 Uhr
Ausstellungseröffnung: 11.11., 18 Uhr
Pressekonferenz: 6.11., 11 Uhr, vor Ort oder im Centrum Judaicum

Nihil firmum est - nichts ist sicher
Herbert Traub zeigt Wandobjekte, aus der profanen wie der religiösen Lebenswelt.
Galerie W. Bischoff / Galerie Waskowiak
Friedrichstr. 127, Berlin Mitte

"Sag beim Abschied... "
Publikumslieblinge von damals
Die Sammlung Robert Dach, Wien
Deutsches Historisches Museum, Zeughaus
seit dem 11. 9., bis zum 30.12.19 98
Öffnungszeiten: Donnerstag - Dienstag 10 bis 18 Uhr, Mittwoch geschlossen, Eintritt frei

In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Historischen Museum und den Jüdischen Kulturtagen wird die Sammlung des Wieners Robert Dachs präsentiert, der sich ganz der eindeutigen Operettenkultur verschrieb. Alte Plakate, Bilder, Fotos und Tonträger erinnern an die ‘Blütezeit’ dieser Gattung.

Mehr zu den Ausstellungen

Intermezzo Berlin - Wiener in Berlin 1890 - 1933
Mit der Ausstellung wird anhand von Beispielen angewandter Kunst gezeigt, wie sehr Wiener das Kunstleben der deutschen Reichshauptstadt geprägt haben. Aus den Beständen der Kunstbibliothek werden Architekturzeichnungen, Plakate, gebrauchsgraphische Arbeiten, Fotos, Illustrationen, Modezeichnungen sowie Bühnenbild- und Kostümentwürfe Wiener Künstler präsentiert. Schlaglichtartig wird über diese Arbeiten auf andere künstlerische Bereiche wie Theater, Tanz, Musik und Literatur verwiesen.
Im biographisch aufgebauten Katalog werden mit dem Schwerpunkt der Berliner Jahre Schicksale und Lebenswege der Künstler dargestellt. Die Ausstellung begleitet die diesjährigen Jüdischen Kulturtage zum Thema "Jüdisches aus Wien". Sie wird gefördert von der Jüdischen Gemeinde Berlin, der unser besonderer Dank gilt. Der zur Ausstellung erscheinende Katalog hat 84 Seiten.

Schon im 19. Jahrhundert hatte es einen regen kulturellen Austausch zwischen Wien und Berlin gegeben. Beide Städte waren am Ende des Jahrhunderts die größten Städte des deutschsprachigen Raums. Die alte Kaiserstadt an der Donau war kulturelles Zentrum und traditionelles Sammelbecken von Zuwanderern aus den Ländern der k.u.k. Monarchie. Berlins Anziehungskraft wuchs schlagartig mit der Stadterweiterung nach der Reichsgründung von 1871. Eine wachsende Industrie- und Geschäftswelt, die eine im Aufbruch begriffene Kulturindustrie einschloß, löste Hoffnungen auf neue Arbeitsmöglichkeiten aus. Die Folge war eine allgemeine Sogwirkung, die auch viele Zeitgenossen aus der habsburgischen Hauptstadt erfaßte. Von den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts bis 1933 hatten viele von ihnen Berlins Kultur nachdrücklich geprägt.

Unter den nach Berlin Gekommenen war die Zahl jüdischer Künstler und Intellektueller besonders groß. Der in beiden Städten vorhandene Antisemitismus etablierte sich in Wien ungleich stärker als in Berlin. Es scheint, als sei in Berlin das öffentliche Leben insgesamt liberaler gewesen.

Die enorme Bautätigkeit zog Architekten wie Otto Wagner, Joseph Maria Olbrich, Josef Hoffmann und Koloman Moser an. Sie beteiligten sich an verschiedenen Wettbewerben. Nur wenige Bauten wurden verwirklicht: Olbrichs Villa Kuntze in Steglitz, 1902, 1904 das Geschäftshaus Jacob und Josef Kohn in der Leipziger Straße von Josef Hoffmann und Koloman Moser, 1929 das Geschäft der Wiener Werkstätte von Josef Hoffmann. Schon seit der Ausstellung der Wiener Werkstätte im Hohenzollern-Kunstgewerbehaus 1904 war Design der Wiener Werkstätte in Berlin zu einem Begriff geworden.

Folgenreicher für das kulturelle Leben Berlins wirkten Wiener Verleger, Literaten, Theaterleute, Musiker und bildende Künstler. Über zwei Jahrzehnte hatte Max Reinhardt in Berlin europäische Theatergeschichte geschrieben. Mit und durch Reinhardt kamen viele Schauspieler nach Berlin. Rudolf Bernauer hatte hier zusammen mit Carl Meinhard parallel zu den Reinhardt-Bühnen ein Theater-Imperium aufgebaut. Daneben etablierten sich in Berlin die sogenannte Brettl-Kunst, das Kabarett, Variété- und Revuetheater. Wiener Komponisten schrieben zu Schlagern gewordene Couplets und Lieder. Stücke Wiener Literaten gehörten zu den Aufführungsprogrammen Berliner Bühnen. 1886 gründete Samuel Fischer in Berlin seinen Verlag. 1887 zog der Verleger der "Lustigen Blätter" und zahlreicher anderer Zeitschriften, Otto Eysler, an die Spree. Er beschäftigte eine große Anzahl von Literaten und Zeichnern. Viele von ihnen kamen aus seiner Heimatstadt Wien, so die Zeichner Julius Klinger, Theodor Zasche und Ernst Stern. Die konkurrierende Wirtschaft bediente sich des modernen Bildplakates für ihre Werbung. Angezogen von diesen neuen Auftragsmöglichkeiten, die auch die Kulturindustrie einschloß, begannen Zeichner, neben der Illustration auch Plakate zu entwerfen: Julius Klinger, Ernst Deutsch, Josef Steiner, Hans Neumann, Leon Amar und Franz Christophe prägten wesentlich die Blüte Berliner Plakatkunst vor dem Ersten Weltkrieg. Emil Orlik und Ernst Stern führten Plakate für Reinhardtinszenierungen aus und arbeiteten als Bühnenbild- und Kostümentwerfer. Nach dem Krieg kamen Alexander Cay, Rolf Frey und Willi Willrab an die Spree. Der in Wien bereits gefeierte Theo Matejko entwarf in Berlin Filmplakate für die Ufa, Plakate für Tanzcafés und politische Plakate. Nach 1933 wurde er zu einem gefragten Propagandazeichner der Nationalsozialisten.

Mit der Etablierung des Expressionismus um Herwarth Waldens "Sturm" und Franz Pfemferts "Aktion" war Berlin endgültig Sammelbecken der Moderne geworden. Karl Kraus, zunächst Freund des Sturm-Gründers hatte sich den Berlinern vor allem mit seinen zahlreichen Lesungen ins Gedächtnis geschrieben. Zu den Zeichnern von "Sturm" und "Aktion" gehörten Oskar Kokoschka, Egon Schiele und Max Oppenheimer.

Das Jahr 1933 beendete abrupt die entstandene kulturelle Vielfalt der vor allem durch die Zuwanderer zur Weltstadt gewordenen deutschen Metropole.

Architektur in Palästina
Arbeiten deutschsprachiger jüdischer Architekten 1918 - 1948
Mehr als einmal ist beschrieben worden, daß Tel Aviv, die 1908 gegründete Metropole Israels, von Bauhausarchitekten zum größten Ensemble dieser klassischen modernen Architektur in der Welt geprägt wurde.

Myra Wahrhaftig ist den Spuren der deutschsprachigen jüdischen Architekten seit der Staatsgründung Israels nachgegangen und dokumentiert ihr Schaffen in einer umfangreichen Tafelausstellung, die zeigt, wie eng selbst die nach dem 2. Weltkrieg verbliebenden wenigen Baudenkmale der Berliner Vorkriegszeit ihre Entsprechung in den geschwungenen und doch sachlichen Bauten Tel Avis haben.

Oskar Kaufmann, der das Berliner Hebbel-Theater baute, ist zugleich der Architekt des Habimah-Theaters, des israelischen Nationaltheaters in Tel Aviv. In Meyers Konversationslexikon werden all seine Bauten in Berlin und Wien aufgeführt. Für die Zeit nach 1933 heißt es nur, er sei nach Palästina emigriert. Diese Ausstellung handelt von zwangsweise aus Deutschland emigrierten Architekten und ihrer noch immer in den deutschen Konversationslexika beendeten Karrieren und dokumentiert ihre Werke und ihre Leben nach der Emigration. Die Ausstellung ist also nicht nur eine Entdeckungsreise durch die frühe Architektur sondern zugleich auch ein Anstoß zur Erkundung Berliner Bauten.

Wiener Einstellungen - jüdisches Wien, eine topographische Annäherung
Liesel Ponga
Jüdische Orte in Wien sind zu einem großen Teil aus dem Stadtbild ausradiert. Erst wenn man genau hinguckt oder die Adressen in mühseliger Detektivarbeit recherchiert, erschließen sich Baulücken und öde Rasterfassaden der Nachkriegszeit.

Orte, an denen jene lebten oder wirkten, die Opfer jenes gigantisch, industriell betriebenen Vertreibungs- und Mordauftrages geworden waren. Wie die wegradierten Bleistiftspuren in einem Buch, dessen einmal gefundenes Blatt man gegen das Licht hält, um festzustellen was dort war, so hat Liesel Ponga die Wiener Stadtlandschaft erkundet und jüdische Orte wieder sichtbar gemacht. Diese Orte bringt sie durch Originaldokumente jüdischen Lebens zum Sprechen.

Davka. Jüdisches Leben in Berlin - Traditionen und Visionen

Inzwischen gibt es auch eine Dokumentation dieser Ausstellung

Meshulash Berlin, eine mehrheitlich jüdische Gruppe von Mitgliedern aus sieben Ländern befaßt sich seit sechs Jahren mit Gedenkpolitik, Aspekten jüdischer Kultur und jüdischer Identität. In ihrer kurzfristig ermöglichten Ausstellung verbindet die Gruppe die wechselhafte Geschichte des seit sechs Jahren leerstehenden Ahawa-Gebäudes mit einem zukunftsorientierten und facettenreichen Bild jüdischen Lebens in Berlin - ohne falsches Pathos und folkloristischen Touch.

Gabriele Heimler widmet sich in seinen Bildern dem Begriff "Galut", während sich Anna Adam mit dem Dibbuk-Motiv auseinandersetzt. Zu den weiteren Stationen von "Davka. Jüdisches Leben in Berlin - Traditionen und Visionen" gehört eine Textinstallation, die auf Interviews mit jüdischen BerlinerInnen ganz unterschiedlicher Herkunft basiert und durch Photocollagen ergänzt wird. Ein weiterer Ausstellungsbereich beschäftigt sich in Form von Cartoons und Klanginstallationen mit dem jüdischen Witz als Überlebensstrategie, ein anderer mit der spielerisch-sinnlichen Erfahrbarkeit religiöser Begriffe im Judentum. Eine Golem-Figur soll jüdische Traditionen vergegenwärtigen, zugleich aber auch die Zukunft auf symbolische Weise gestalten helfen. Für die ganz konkrete Fortführung dieser jüdischen Traditionen im heutigen Alltag stecken die Purim-Masken, die Schüler der Jüdischen Grundschule in Berlin-Mitte gestaltet haben. All das wird noch um das Meshulash-Zimmer erweitert, einem Raum, in dem die einzelnen Meshulash-Mitglieder ihre persönliche Mischung aus Memorabilia und Zukunftszitaten präsentieren.

Den Schwerpunkt von "Davka. Jüdisches Leben in Berlin - Traditionen und Visionen" machen aber die Arbeiten von vierzehn Künstlern und Künstlerinnen mit biographischen Zugängen zum Judentum und zu Berlin als realen wie symbolischen Ort aus, die Meshulash Berlin gebeten hat, ihre ganz persönlichen Vorstellungen zu präsentieren. Der in Jerusalem lebende Niederländer Henk Puts zeigt in der Reihe "Jews Conventer - Jews Distiller - Jews Finder", die Engländerin Tanya Ury, die in Köln zu Hause ist, ihr "Triptych for a Jewish Princess, Second Generation". Daneben sind Gemälde von Silvia Dzubas uns Israel Davidesco, Pavel Feinstein, Peter Langguth und Heidi Stern zu sehen. Installationen von Piotr Nathan, Oded Reifenberg, René de Rooze und Roswitha Baumeister, Tonskulpturen von Ella Adamova und eine Plastik von Roger Servais nähern sich dem Ausstellungsthema in eher ungewöhnlichen Formen und Motiven an, dazu zählt auch das Mobile von Gusztáf Hamós und Katja Pratschke.

Die Journalistin Regina Scheer beschäftigt sich seit langem mit der Geschichte der "Ahawa" und ihrer Bewohner, denen 1943 der Garaus gemacht wurde. Sie erinnert mit Dokumenten und Photographien an die Vergangenheit an die Vergangenheit dieses Gebäudes, das zu DDR-Zeiten als Schule diente.

 

Die wiedergewonnene Schönheit auf dem Hof der Neuen Synagoge
Auguststraße in Berlin Mitte: Eine jener Gassen des alten Berlin, die noch erahnen lassen, wie es hier vor 70 oder hundert Jahren ausgesehen haben mag. Hier mordete der Pöbel am 5. Und 6. November 1923 im ersten Novemberpogrom diesen Jahrhunderts die ostjüdische Bevölkerung, aber hier lebten sie auch. Trödler und Rebellen, Talmudgelehrte und Schriftsteller, jüidsches Proletariat - nur eine Ecke weiter an der Oranienburger Straße hatte das jüdische Großbürgertum, die Mäzene und Ärzte, die Verleger und Großkaufleute ihr nach allen Seiten sichtbares Wahrzeichen geschaffen: Die Neue Synagoge. Aber hier in der Spandauer Vorstandt hat jüdisches Leben eine lange Geschichte und viele noch zu entdeckende Spuren. Durch einen Torbogen, der bescheidener kaum sein kann, tritt man auf einen Hof, der einzigartiger nicht sein kann. Hier steht jenes Haus, das als Haus der "Nächstenliebe", hebräisch AHAWA, ursprünglich einmal als Krankenhaus errichtet worden war. In seiner sachlichen Schönheit verschlägt es jedem Betrachter den Atem. Und dann, wenn er die sieben oder acht Stufen hinaufgeht und der Geruch eines abgestandenen Hauses ihm entgegenschlägt, verbunden mit jenem urtypischen DDR-Bohnerwachs, der auch nach 10-jährigem Lüften noch nicht entwichen ist, entfaltet sich ursprünglich eine neue, ganz frische jüdische Künstlerszene. Man tritt in riesige Säle, in denen noch die Spuren der letzten Nutzer, einer Blindenschule, gerade behelfsmäßig übertüncht sind. Wer hier nicht von Geschichte und Gegenwart unseres Jahrhunderts berührt wird, ist nicht blind, sondern taub, stumm und geruchslos.

Als in der Mitte des letzten Jahrhunderts die Jüdische Gemeinde daran ging ihr Spital in ein modernes Krankenhaus zu verwandeln, beauftragte sie Eduard Knobloch, den (späteren) Baumeister der Neuen Synagoge, mit der Bauausführung. Das Ergebnis war eines der seiner Zeit modernsten Krankenhäuser Berlins: Lichtdurchflutete Krankensäle für das, was sich damals modernste Behandlungsmethoden nannte. Als zu Beginn dieses Jahrhunderts die Medizin einen Quantensprung weitergekommen war, wurde das heutige Jüdische Krankenhaus im Wedding errichtet und kurz vor dem ersten Weltkrieg in Betrieb genommen. Die weitere traurig und zuweilen atemberaubende Geschichte dieses Gebäudes hat Regina Scheer in ihrem Buch über AHAWA. Das vergessene Haus dokumentiert.

Vor kurzem hat die Jüdische Gemeinde ihr altes Krankenhaus wiedererstattet bekommen. Noch ist nicht endgültig entschieden, was dort in Zukunft seinen Sitz haben wird, ob es ein Erweiterungsbau der Jüdischen Oberschule in der Großen Hamburger Straße wird oder ein Internat für die Oberschule, sicher ist, nachdem das Gebäude jetzt wieder im Besitz der Jüdischen Gemeinde ist, daß es eine seiner Geschichte würdige Zukunft bekommen wird.

Zwischenzeitlich haben sich auch in Berlin lebende Künstlerinnen und Künstler zu einer Initiative zusammengeschlossen, um die AHAWA zu einem Nukleus ihres Schaffens zu machen. Für die nächsten fünf Wochen ist also die Spandauer Vorstadt, die vor Zeiten einmal denunziatorisch, heute eher liebevoll Scheunenviertel genannt, ganz sicher als Brennpunkt der "Szene" und Seismograph künstlerischer Entwicklungen bezeichnet werden kann, um einen Hinterhof mit Patina, Geschichte und Zukunft reicher. In jenen von Knobloch damals für die Kranken konzipierten lichtdurchfluteten Sälen trifft man heute auf das, was der Aufbau nach dem Untergang in Berlin und anderenorts erzeugt hat: eine neue jüdische Szene geschaffen von jüdischen Künstlerinnen und Künstlern, die für sich selbst sprechen und sich offenkundig in der wieder angeeigneten Welt des alten Krankenhauses versuchen zu gesunden von jenem Jahrhundertverbrechen, das jüdisches Leben nach der Shoah zeichnet und das etwa von eben hier ausging: wenige Kilometer nur entfernt von der AHAWA, dem Haus der Nächstenliebe: auch die wiedergewonnenen Schönheit auf dem Hof der Neuen Synagoge war Teil jener Topographie des nationalsozialistischen Terrors. Regina Scheer dokumentiert: "Und eines Tages standen da die Mütter mit den leeren Kinderwagen, die Kinder waren weggeholt worden, zusammen mit den Pflegeschwestern. Die Mütter haben geheult und wollten nicht gehen." Dies geschah im Februar 1943 im Zusammenhang mit der sogennten Fabrikaktion. Keine Gedenktafel kann angesichts der schönen klassischen Fassade dieses Leid jemals festhalten und doch spürt es jeder: Die wiedergewonnene Schönheit auf dem Hof Auguststraße 14-16 hat unvorstellbares Leid erlebt.

Kartenreservierung, Fragen, Kommentare jkt@herden.de

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