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Filmreihe

12. - 24. November 1998
Zeughauskino Unter den Linden 2, Mitte
Filmkunsthaus Babylon, Rosa-Luxemburg-Str. 30, Mitte

Zur Filmreihe "Jüdisches Leben in Wien"

11. November | Mittwoch | 21:30 Uhr | Filmkunsthaus Babylon
Emigration N.Y. - Die Geschichte einer Vertreibung

12. November | Donnerstag 20:30 Uhr | Zeughauskino (Eröffnung der Filmreihe)
Welcome in Vienna

14. November | Sonnabend | 18:15 Uhr | Zeughauskino
Leon Askin - (Über)Leben und Schauspiel

14. November | Sonnabend | 20:30 Uhr | Zeughauskino
Eins, zwei, drei

14. November | Sonnabend | 21:00 Uhr | Filmkunsthaus Babylon
Emigration N.Y. - Die Geschichte einer Vertreibung

15. November | Sonntag | 18:00 Uhr | Zeughauskino
Maskerade

15. November | Sonntag | 20:30 Uhr | Zeughauskino
Ost und West (Misrech un majrew)

16. November | Montag | 18:15 Uhr | Zeughauskino
Kieselsteine

16. November | Montag | 20:30 Uhr | Zeughauskino
Episode

17. November | Dienstag | 18:00 Uhr | Zeughauskino
Hannah
Vorfilm: Nachricht von H.


17. November | Dienstag | 20:30 Uhr | Zeughauskino
Oh ... Rosalinda!! (Fledermaus 1955)

21. November | Sonnabend | 18:15 Uhr | Zeughauskino
Wien retour

21. November | Sonnabend | 20:30 Uhr | Zeughauskino
38 - Auch das war Wien (38 - Heim ins Reich)

22. November | Sonntag | 18:15 Uhr | Zeughauskino
Die papierene Brücke

22. November | Sonntag | 20:30 Uhr | Zeughauskino
Theodor Herzl - Der Bannerträger des Jüdischen Volkes (The wandering jew)

23. November | Montag | 20:30 Uhr | Zeughauskino
Nach Jerusalem

24. November | Dienstag | 18:15 Uhr | Zeughauskino
Theresienstadt sieht aus wie ein Curort

24. November | Dienstag | 20:30 Uhr | Zeughauskino
Die Kunst des Erinnerns - Simon Wiesenthal

Die wechselvolle Geschichte jüdischen Lebens in Wien als Filmreihe


Insgesamt siebzehn Dokumentar- und Spielfilme, die zwischen 1921 und 1997 entstanden, beleuchten die wechselvolle Geschichte jüdischen Lebens in Wien, die unmittelbar mit dem Geschick dieser vitalen Metropole an der Schnittstelle zwischen Ost und West verbunden ist, die sich gegenüber den Denkern, Philosophen und Ironikern, die sie hervorbrachte, bis heute ambivalent, oft feindselig verhält. Die Spannbreite reicht von "Theodor Herzl - der Bannerträger des Jüdischen Volkes", mit dem Otto Kreisler 1921 für die Ideen des modernen politischen Zionismus eintrat, bis zu Ruth Beckermanns Trilogie über die Geschichte und Gegenwart der mitteleuropäischen Juden und der Utopie vom jüdischen Staat, die sie 1983 mit "Wien retour" begann und 1990 in Israel mit "Nach Jerusalem" abschloß.

Bereits im letzten Jahr, als die Jüdischen Kulturtage sich mit der Stadt New York beschäftigten, war mit der Dokumentation "Glueckselig in New York - Der Stammtisch der Emigranten" das Portrait eines jüdischen Wieners zu sehen. Daran knüpfen wir dieses Jahr mit "Emigration N.Y. - Die Geschichte einer Vertreibung" an, in dem zwölf weitere österreichische Emigranten portraitiert werden, die heute in New York ihre Heimat haben. Um die Zustände, die zu den Emigrationen führten, geht es in Filmen wie der Verfilmung von Friedrich Torbergs Roman "Auch das war Wien", der 1938, im Jahr des deutschen Einmarsches in Österreich, spielt. Die eigenwillige Dokumentation "Theresienstadt sieht aus wie ein Curort" ist der sehr persönliche Bericht einer über 70jährigen KZ-Überlebenden, auf Tonband aufgenommen im Jahre 1948.

Mit dem Verhältnis zwischen Juden und Nicht-Juden in Österreich nach dem Holocaust beschäftigen sich der in der unmittelbaren Nachkriegszeit spielende "Welcome in Vienna" und "Kieselsteine", in dem das von der Geschichte belastete Miteinander in den 80er Jahren in Form eines Kammerspiels psychologisch-philosophisch aufgearbeitet wird. Reinhard Schwabenitzky, zuletzt als Regisseur erfolgreicher Komödien bekannt geworden, thematisiert in seinem drastischen, spannenden Politthriller "Hannah" die Gefahren des Rechtsterrorismus.

Selbstverständlich geht es in unserer Filmreihe auch um ein Stück Filmgeschichte: da begegnen wir den sogenannten "Wienerfilmen" - heitere Komödien aus den dreißiger Jahren, an deren Entstehung maßgeblich jüdische Filmschaffende beteiligt waren, die zuvor aus Berlin nach Wien emigrierten. Und ironischen Nachkriegsgrotesken wie "Oh ... Rosalinda!!", für den Emmeric Pressburger und Michael Powell 1955 die Handlung von Johann Strauß' "Fledermaus" ins Nachkriegs-Wien verlegten und die Hauptrollen der betrügerischen Ehemänner und -frauen mit Angehörigen der Besatzungsmächte besetzten. In diesem Zusammenhang ist auch der gebürtige Wiener Billy Wilder ein Muß, der es in seinen Filmen mit einer amerikanisierten Mischung aus Schmäh und Chuzpe zur Meisterschaft der rasanten Ironie bringt. In seinem "Eins, zwei, drei" sehen wir einen anderen gebürtigen Wiener in der Nebenrolle eines russischen Delegationsleiters: Leon Askin, inzwischen wieder in seine Geburtsstadt zurückgekehrter Emigrant in Hollywood, ist einer der letzten heute noch lebenden Wegbegleiter von Max Reinhardt und Erwin Piscator.

Bernd Buder

Mehr zu den einzelnen Filmen


11. November | Mittwoch | 21:30 Uhr | Filmkunsthaus Babylon
Emigration N.Y. - Die Geschichte einer Vertreibung
Österreich 1995, Dokumentarfilm, Farbe/s/w, 88 min., Regie: Egon Humer
Erinnerungen von zwölf Emigranten aus jüdisch-österreichischen Familien, die während des nationalsozialistischen Regimes nach Amerika geflohen sind und in New York eine zweite Heimat fanden.

12. November | Donnerstag 20:30 Uhr | Zeughauskino (Eröffnung der Filmreihe)
Welcome in Vienna
Österreich/BRD/Schweiz 1985, Spielfilm, s/w, 121 min., Regie: Axel Corti; Vorführung in Anwesenheit des Drehbuchautors Georg Stefan Troller
Der Wiener Emigrant Freddy Wolff kehrt in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs als Soldat der US-Armee nach Österreich zurück. Die lang ersehnte Ankunft in Wien allerdings wird überschattet von der Distanz, mit dem man dem jüdischen Remigranten begegnet, von Korruption, Neid und Schwarzmarktgeschäften, vom schleichenden Verlust humanistischer Ideale und dem kühlen Taktieren der amerikanischen Armeeführung, die ehemaligen Nazi-Generälen Straffreiheit verspricht, um so an militärisches Wissen über die Rote Armee zu kommen. Axel Cortis Spielfilm entstand nach dem autobiographisch geprägten Drehbuch von Georg Stefan Troller, der, 1921 in Wien geboren, 1938 emigrierte und 1945 als US-Soldat in seine Geburtsstadt zurückkehrte.

14. November | Sonnabend | 18:15 Uhr | Zeughauskino
Leon Askin - (Über)Leben und Schauspiel
Österreich 1997, Dokumentarfilm, Farbe, 52 min., Regie: Egon Humer
Leon Askin, Theater- und Filmschauspieler, geboren 1907, floh 1938 in die USA, wo er als Nebendarsteller in zahlreichen Hollywood-Filmen mitwirkte. Auf Initiative des damaligen Oberbürgermeisters Helmut Zilk siedelte er vor einigen Jahren nach Wien zurück. Askin erinnert sich an die gemeinsame Arbeit mit Max Reinhardt, Erwin Piscator und Louise Dumont, an Verfolgung, Vertreibung und die Ermordung der Eltern im KZ, an die "accent roles" in Hollywood, an die späte Rückkehr in seine Geburtsstadt. Askin lebt heute im Jüdischen Altersheim in Wien, sein Alltag ist bestimmt vom Kampf gegen die Krankheiten des Alters und der aktiven Teilnahme am kulturellen Leben der Stadt.

14. November | Sonnabend | 20:30 Uhr | Zeughauskino
Eins, zwei, drei
USA 1961, Spielfilm, s/w, 108 min., dt. Synchronfassung, Regie: Billy Wilder
Wien - Berlin, Habsburg - Hollywood: In der Kalten-Kriegs-Komödie, die der gebürtige Wiener Billy Wilder nach der Komödie "Egy, Ketty, Harom" des Ungarn Ferenc Molnar schrieb, ist auch Leon Askin zu sehen, und zwar in der ungewöhnlichen "accent role" des sowjetischen Delegationsleiters Peripetchikoff.

14. November | Sonnabend | 21:00 Uhr | Filmkunsthaus Babylon
Emigration N.Y. - Die Geschichte einer Vertreibung
Österreich 1995, Dokumentarfilm, Farbe/s/w, 88 min., Regie: Egon Humer
Inhalt: siehe Beschreibung am 11. November.

15. November | Sonntag | 18:00 Uhr | Zeughauskino
Maskerade
Österreich 1934, Spielfilm, s/w, 97 min., Regie: Willi Forst
Nach der "Machtübernahme" durch die NSDAP betrieb das Propagandaministerium eine Neuordnung der deutschen Filmindustrie, am 1. April 1933 wurde ein Berufsverbot für jüdische Filmschaffende eingeführt. Zahlreiche deutsch-jüdische Regisseure, Schauspieler und Produzenten emigrierten zunächst nach Österreich, wo es jedoch sehr bald ebenfalls zu einem de-facto-Boykott kam, der mit dem in der deutsch-österreichischen Filmkonvention vom 20. April 1936 enthaltenen Arbeitsverbot für jüdische Bürger besiegelt wurde. In den wenigen Jahren dazwischen prägten die aus Deutschland emigrierten jüdischen Filmschaffenden wesentlich den sogenannten "Wienerfilm" - melancholisch-heitere Komödien und Operetten. Willi Forsts "Maskerade" dürfte der populärste dieser Filme sein. Zu der mit subtilem Humor inszenierten Liebesgeschichte im Alt-Wiener Gesellschaftsmilieu schrieb Walter Reisch das Drehbuch, dessen Name bei der Berliner Premiere am 21.8.1934 verschwiegen wurde.

15. November | Sonntag | 20:30 Uhr | Zeughauskino
Ost und West (Misrech un majrew)
Österreich 1923, Stummfilm, s/w, 83 min., engl. und jiddische Zwischentitel, Regie: Sidney M. Goldin; musikalische Begleitung am Flügel: Jürgen Kurz
Sidney M. Goldins Komödie aus dem Jahre 1923 spielt die damals virulenten Klischees vom 'ungehobelten' Amerikaner und vom ,rückständigen' osteuropäischen Juden gegeneinander aus, um für eine Assimilation an den deutsch-jüdisch geprägten Mittelweg in der Tradition der Aufklärung zu plädieren. Robert Brown, ein in New York zu Erfolg gekommener Geschäftsmann reist mit seiner durch und durch amerikanisierten Tochter Molly zurück an seinen Geburtsort in Galizien. Aus Jux willigt die Tochter in eine Heirat mit dem schüchternen Studenten Ruben ein. Molly, die ihr Leben nicht als fromme Stedtl-Frau verbringen will, sucht um Scheidung nach. Ruben willigt ein, macht aber eine fünfjährige Trennungszeit zur Bedingung. Brown und Tochter Molly gehen zurück nach New York. Einige Jahre später ist aus dem traditionell gewandeten Ruben ein modern gekleideter Orientalist geworden, dessen Buch "Ost und West" zum Bestseller avanciert ist. In seiner neuen Heimat Wien wird ihm zu Ehren eine Gesellschaft gegeben, auf der zufällig auch Molly auftaucht. Sie verliebt sich in den gutaussehenden Schriftsteller, doch als gute Ehefrau muß sie ihrem Ehemann treu bleiben, den sie im fernen Galizien wähnt ....

16. November | Montag | 18:15 Uhr | Zeughauskino
Kieselsteine
Österreich 1984, Spielfilm, Farbe, 102 min., Regie: Lukas Stepanik
Wien in den achtziger Jahren. Die zufällige Begegnung der österreichischen Jüdin Hannah mit dem aus Deutschland stammenden Architekten Friedrich führt zu einer komplizierten Beziehung. Zwischen den beiden entwickelt sich ein psychologisch-philosophisches Rollenspiel, in dessen Verlauf Verdrängtes aufbricht, Klischees überwunden werden müssen und Unsicherheiten mit falscher Koketterie und oberflächlichem Sarkasmus nur notdürftig überspielt werden können.

16. November | Montag | 20:30 Uhr | Zeughauskino
Episode
Österreich 1935, Spielfilm, s/w, 105 min., Regie: Walter Reisch
Nach dem Welterfolg von "Maskerade" wurde Walter Reisch die Regie für den nächsten Film mit Paula Wessely übergeben. Bewußt siedelte Reisch seine Geschichte während der Wirtschaftskrise an, er wollte "die Wessely nunmehr nach der seligen, goldenen Metternichzeit, mit den Walzern und Wohlbrück und Paulsen usw. in eine Zeit hineinstellen, die weder weinselig noch fröhlich war. Es war die tiefste Inflation, es war der Zusammenbruch alles Wertvollen und alles Vorhergegangenen. Da kam eine Generation plötzlich aus Wien heraus - ich spreche jetzt besonders von den ganz jungen Wiener Frauen - , die durch den Zusammenbruch ihrer Familien einfach mußten. Und was mußten sie? Sie mußten die Familien erhalten. Und da gab es keine Stellungen, da gab es keine Möglichkeiten, irgend etwas anderes zu tun, und da wurden eben hunderttausende dieser Mädchen von höchster moralischer Sittlichkeit und bester Erziehung aus den herrlichsten und ältesten Familien, da wurden die direkt in die Arme von sogenannten - ich habe kein anderes Wort dafür, und es ist auch kein böses Wort - Boyfriends getrieben" (W. Reisch zit.n. Walter Fritz: Kino in Österreich 1929-1945; Wien 1991).

17. November | Dienstag | 18:00 Uhr | Zeughauskino
Hannah
Österreich 1996, Spielfilm, Farbe, 117 min., Regie: Reinhard Schwabenitzky
Politthriller. Die junge Werbemanagerin Hannah Fischer tritt ihren Traumjob in einer Spielzeugfabrik an und verliebt sich dabei gleich in den Juniorchef der Firma. Als sie entdeckt, daß das Unternehmen Dreh- und Angelpunkt einer international agierenden neonazistischen Geheimloge ist, gerät sie in tödliche Gefahr. Auch ihr neuer Liebhaber scheint in den Komplott verstrickt zu sein ....
Vorfilm: Nachricht von H.
Österreich 1997, Spielfilm, Farbe, 13 min., Regie: Mirjam Unger
Michael Lanzmann, Überlebender des Holocaust, erhält einen Brief. Vielleicht ein tödliches Päckchen?

17. November | Dienstag | 20:30 Uhr | Zeughauskino
Oh ... Rosalinda!! (Fledermaus 1955)
Großbritannien / BRD 1955, Spielfilm, Farbe, 105 min., engl. Originalfassung, Regie: Michael Powell, Emeric Pressburger
In ihrem gewohnt opulenten Stil und mit einer ins Groteske übersteigerten Ironie verlegten Powell und Pressburger die Handlung von Johann Strauß' bekanntester Operette ins Nachkriegs-Wien: "Nun, Michael, die Handlung der ,Fledermaus' ist nichts. Es ist die übliche Operettenmischung von Ehemännern, die ihre Frauen betrügen und Ehefrauen, die ihre Männer beschwindeln. Dann gibt es eine große Party, die von einem russischen Prinzen gegeben wird, vertauschte Identitäten - überlaß' das nur mir, das zu entwirren. Die Musik ist sehr gut, eine von Strauß' besten. Aber wenn all diese Ehemänner, Ehefrauen und Liebhaber Angehörige der Besatzungsmächte wären ... Zum Beispiel könnte Eisenstein ein französischer Hauptmann sein, Alfred ein amerikanischer Colonel, der Liebhaber einer französischen Dame war, die jetzt Eisensteins Frau ist ... Du siehst: Es gibt viele Möglichkeiten ..."(Emeric Pressburger zu Michael Powell; in: Michael Powell: Million Dollar Movie).

21. November | Sonnabend | 18:15 Uhr | Zeughauskino
Wien retour
Österreich 1983, Dokumentarfilm, Farbe/s/w, 95 min., Regie: Josef Aichholzer, Ruth Beckermann; Vorführung in Anwesenheit von Ruth Beckermann
Wien 1924: Nach jahrelangem Aufenthalt in Magdeburg kehrt die Familie Weintraub in den jüdisch geprägten zweiten Gemeindebezirk, die Leopoldstadt, zurück. Sohn Franz sieht Wien zum ersten Mal. In "Wien retour" erzählt er von seiner Jugend auf der "Mazzesinsel", von seiner Hinwendung zur Arbeiterbewegung, von den politischen Auseinandersetzungen der zwanziger und dreißiger Jahre und immer wieder auch von ganz persönlichen Alltagserlebnissen.

21. November | Sonnabend | 20:30 Uhr | Zeughauskino
38 - Auch das war Wien (38 - Heim ins Reich)
Österreich 1986, Spielfilm, Farbe, 97 min., Regie: Wolfgang Glück
Verfilmung des gleichnamigen Romans von Friedrich Torberg. Die Josefstadtschauspielerin Carola Hell und der jüdische Schriftsteller Martin Hofmann ignorieren die Warnungen vor der Machtergreifung der Nazis in Österreich. Als sich die Situation zuspitzt, wird Carola schwanger. Ihr gelingt die Flucht nach Prag, während Martin von der SA am Bahnhof festgehalten wird und sich ohne Paß in Wien verstecken muß. Das Schicksal zweier ‘unpolitischer’ Menschen im Wien der Jahre 1937/38.

22. November | Sonntag | 18:15 Uhr | Zeughauskino
Die papierene Brücke
Österreich 1987, Dokumentarfilm, Farbe, 95 min., Regie: Ruth Beckermann; Vorführung in Anwesenheit von Ruth Beckermann
Ruth Beckermanns Auseinandersetzung mit der Geschichte der eigenen Familie ist zugleich ein Essay über die Geschichte der mitteleuropäischen Juden. Eine Reise beginnt, die von Wien in die Bukowina führt, wo Ruth Beckermann den wenigen Mitgliedern der noch existierenden Jüdischen Gemeinden begegnet. Nach Wien zurückgekehrt, trifft sie auf eine amerikanische Fernsehgesellschaft, die für einen Film über Theresienstadt Juden als Statisten sucht, die im Film auch wirklich ‘jüdisch aussehen’. Gleichzeitig tritt der Antisemitismus in den Straßen Wiens erneut freimütig auf. Während Ruth Beckermanns Vater bereit ist, sich notfalls auch handgreiflich zu wehren, denkt die Mutter darüber nach, ob es besser gewesen wäre, in Israel zu bleiben, wo sie den wichtigsten Teil ihrer Jugend verbracht hatte.

22. November | Sonntag | 20:30 Uhr | Zeughauskino
Theodor Herzl - Der Bannerträger des Jüdischen Volkes (The wandering jew)
Österreich 1921, Stummfilm, s/w, 60 min., engl. Zwischentitel, Regie: Otto Kreisler; musikalische Begleitung am Flügel: Jürgen Kurz
Lebensbild des Begründers des politischen Zionismus. Szenen aus der Geschichte des Jüdischen Volkes (Kampf gegen die Philister, Spanische Inquisition, Pogrome in Rußland und Polen) machen die Sehnsucht nach einem eigenen Jüdischen Staat plausibel.

23. November | Montag | 20:30 Uhr | Zeughauskino
Nach Jerusalem
Österreich 1990, Dokumentarfilm, Farbe, 87 min., OF m. engl. Untertiteln, Regie: Ruth Beckermann; Vorführung in Anwesenheit von Ruth Beckermann
Ein dokumentarisches Road Movie. Auf der nur 60 Kilometer langen Straße von Tel Aviv nach Jerusalem begegnet Ruth Beckermann Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensgeschichten und Ansichten. Szenen, die aus dem Zufall einer Reise entstehen. Eine kritische Momentaufnahme, die sich zunächst dem Konflikt zwischen Juden und Palästinensern widmet, vor allem aber danach fragt, was aus dem Traum von der jüdischen Heimat geworden ist.

24. November | Dienstag | 18:15 Uhr | Zeughauskino
Theresienstadt sieht aus wie ein Curort
Österreich 1996, Dokumentarfilm, Farbe/s/w, 50 min., OF m. dt. Untertiteln, Regie: Nadja Seelich
Die versuchte Vernichtung der europäischen Juden erfuhr einen ihrer zynischen Höhepunkte in der Errichtung des ,Vorzeige'-KZ's Theresienstadt. Man ließ durch die Insassen einen Kindergarten, eine Bibliothek, einen Park errichten, 1945 entstand hier der Propagandafilm "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt". Josefa Stibitzová, die Großmutter der heute in Wien lebenden Filmemacherin Nadja Seelich, wurde 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert. Die damals 69jährige überlebte den Holocaust. 1948 nahm ihr Bruder ihre Erinnerungen auf Tonband auf. Josefa Stibitzová erzählt von den Repressalien, vom Sterben und vom Überleben und davon, wie sie ihren Verwandten in Postkarten immer nur Positives schrieb, um sie nicht zu beunruhigen: "Was soll ich den Kindern das Herz schwer machen? Daß ich Hunger habe, keinen Platz zum Schlafen, daß wir frieren - das werde ich doch den Kindern nicht schreiben. Und so habe ich immer nur Fröhliches geschrieben." Ein formal eigenwilliges, sehr persönliches Dokument der Erinnerung an den Holocaust.

24. November | Dienstag | 20:30 Uhr | Zeughauskino
Die Kunst des Erinnerns - Simon Wiesenthal
Österreich 1994, Dokumentarfilm, Farbe, 99 min., OF m. dt. Untertiteln, Regie: Johanna Heer, Werner Schmiedel
In dem Portrait geht es vor allem um Simon Wiesenthals Wort vom "Erinnern als Verpflichtung"; darum, daß das Erinnern in einer Gesellschaft, die sich nach der Shoah zu einem großen Teil mit der Verdrängung der eigenen Geschichte abgefunden hat, als eine Kunst erscheint, als ein immer wiederkehrender notwendiger Prozeß, der permanent an die Grenzen gesellschaftlicher Tabuisierung stößt.

 

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